Das Leben mit Standardabweichung
13 Feb
Der Soundtrack zu Shaft, dem hierzulande wohl berühmtesten Vertreter des Blaxploitation-Films, bescherte dem amerikanischen Multitalent 1971 gleich zwei der begehrten Grammy Awards. Doch auch wenn im Laufe der Jahre ein dritter dazu kam, ist Isaac Hayes im kollektiven europäischen Gedankengut meiner Meinung nach unterrepräsentiert.
Soul-Sänger, Musiker, Produzent und Schauspieler - von all diesen Qualitäten hatte ich lange Zeit keine Ahnung, aber: Hayes ist nicht zwingend ein Unbekannter. Die breite Masse Gleichaltriger wird ihn, wie ich, zumindest als Stimme des Chefkoch in der US-amerikanischen Cartoon-Serie South-Park zu lieben gelernt haben.
Vielleicht weckt das bei euch Interesse. Hier nun also ein bescheidenes Angebot, sich in sein Werk zu vertiefen.
Isaac Hayes - Walk on by
31 Jan
Luigi Boccherini (1743-1805) war ein italienischer Komponist und Cellist der klassischen Kammermusik.
Wem mache ich hier eigentlich was vor? Klassik ist für mich Neuland und ich habe nicht wirklich den nötigen Durchblick, um euch noch etwas Neues erzählen zu können. Will ich aber auch garnicht ![]()
Neben Bach, Beethoven und Debussy zählt folgendes Minuett zu meinen absoluten Lieblingen. Und macht tierisch Lust auf mehr von dem guten, alten Zeug.
Das Videomaterial ist qualitativ etwas dürftig, aber das macht nichts. Ich denke mir: Hey, 1743 waren Digitalkameras noch nicht so verbreitet. Aber auch die Tonqualität ist suboptimal - lässt sich wiederrum nicht entschuldigen (bitte schreiben Sie für mich ein paar böse E-Mails an Youtube). Dennoch: Vielleicht kann ich ja jemanden mit dieser Musik anfixen. Klassik-CDs sind recht günstig erhältlich.
Luigi Boccherini - Streichquintet in E major, Minuett
23 Jan
Zugegeben: Für einen Moment war ich versucht zu suggerieren, es gelte als schamhafte Bildungslücke, Mamuro Oshii nicht zu kennen. Obwohl ghost in the shell zu den erfolgreichsten Anime-Filmen der Moderne zählt und eine deutsche Synchronisation regelmäßig über die heimischen Mattscheiben flimmert, wird japanisches Kino in Deutschland noch eher verhalten wahrgenommen. Kein Wunder also, dass Avalon so gut wie unbekannt ist.
Klarer Fall von “Des g’hört g’ändert”: Dieses Science-Fiction Meisterwerk muss ich wärmstens empfehlen!
Assoziationen mit dem Genre-Platzhirsch The Matrix sind wohl nicht zu vermeiden und mögen fälschlicherweise den Eindruck eines Abklatsches vermitteln. Daraus sollte man aber keine Rückschlüsse auf die Qualität ziehen: Avalon behandelt zwar thematisch ebenso virtuelle Welten und die Frage nach ihrer Realität, erzählt aber eine ausgereifte, eigene Geschichte.
Es geht um Computerspiele. Mamoru Oshii zeichnet bereits 2001 eine düstere Vision, deren Thematik in den letzten Jahren zunehmends an Bedeutung gewonnen hat: Die Unterhaltungselektronik der Zukunft ist so weit entwickelt, dass für den Spieler eine virtuelle Realität ensteht - er befindet sich in einer computergenerierten Welt. Professionelle Spieler kämpfen in dieser um Punkte, Ansehen und schließlich bares Geld.
Eines dieser Spiele ist jedoch verboten: eine Kriegssimulation, deren illegaler Charakter eine eigene Subkultur geschaffen hat. Dabei ist nicht nur der Suchtfaktor dieses Spieles eine Gefahr. Neben verwahrlosten Existenzen häufen sich Berichte von elitären Spielern, die während der Simulation in ein tiefes Koma gefallen sind.
Für Ash, eine junge, erfolgreiche “Class A”-Kriegerin, verdichten sich die Hinweise auf einen Komplott, der hinter dem Verscheiden ihrer Mitstreiter steht. Sie beginnt die Suche und stößt dabei auf den Bishop, der sie in der virtuellen Welt zu beobachten scheint. Ein Action-Spektakel mit Tiefgang nimmt seinen Lauf.
Avalon hat dabei so seine Besonderheiten: der Film wurde vollständig in Polen abgedreht, ist in polnischer Sprache und mit polnischer Besetzung. Auch die Schauplätze tragen zu einer starken europäischen Note dieses Filmes bei. Alles andere als ein Hollywood-Streifen, aber auch nicht typisch japanisch. Erfrischend europäisch, eben.
Für mich als Landsmann lebt in Avalon das großartige alte, polnische Kino auf.
4 Dez
Nein, mit den in meiner Generation populären Trägern des Namens Gallagher, Liam und Noel, hat der irische Bluesrocker nichts gemein. Doch während die zwei Brüder aus Manchester in Irish-Pubs zum Standardrepertoire gehören, droht Rory unter meinen gleichaltrigen Freunden in Vergessenheit zu geraten. Dagegensteuern lautet die Devise, prägte er doch Legenden wie Eric Clapton, Jimmy Page und Brian May.
Mein Ratschlag lautet demnach: Ab in den nächsten Laden, Alben und DVDs kaufen!
Und da selbst die ausgefeilteste Umschreibung seiner Musik es mir nicht ermöglichen würde, euch die Besonderheit dieses Künstlers näherzubringen, lasse ich ein paar etablierte Institutionen für mich sprechen
Zitate:
“Playing on stage with him in LA was one of the biggest thrills for me ever.” Slash (Guns N’ Roses)
“A beautiful man and an amazing guitar player. He was a very sensitive man and a great musician.” The Edge (U2)
“Rory is probably the single guitarist who meant the most to me.” Tom Guerra, guitarist of Mambo Sons
“It was all about him playing the guitar, it got into your soul.” Cameron Crowe (Writer/Film Director)
“In the 70s he built himself a reputation as a live performer of tremendous vitality.” “He was even headhunted to join The Rolling Stones.” Niall Stokes (Editor, Hot Press)
“One of the things that was crucial for me I got from Rory Gallagher, which was the idea of, like, being a guitar player for life and living it.” Johnny Marr (The Smiths/ The The/ Electronic/ Johnny Marr and the Healers/Modest Mouse)
“Rory’s death really upset me. I heard about it just before we went on stage, and it put a damper on the evening. I can’t say I knew him that well, but I remember meeting him in our offices once, and we spent an hour talking. He was such a nice guy and a great player.” Jimmy Page of Led Zeppelin
“So these couple of kids come up, who’s me and my mate, and say ‘How do you get your sound Mr. Gallagher?’ and he sits and tells us. So I owe Rory Gallagher my sound.” Brian May (Queen)
“Rory’s death is a tragic loss of a great musician and a very good friend.” Van Morrison
“The man who got me back into the blues.” Eric Clapton
“An uncompromisingly serious musician” The Times, 16 June 1995.
Quelle: Wikipedia
Überzeugt? Leider kann ich keinen sauberen Mitschnitt von z.B. den Auftritten im Rockpalast anbieten. “This material is subject to copyright” - Mist! Wenigstens hat unser aller Lieblingsvideoplatform eine, naja, erträgliche Aufnahme meines Favourite-Songs “Calling Card”. Bitteschön:
Rory Gallagher - Calling Card
20 Nov
Holy moly, was für ein mitreissender Song. Jarvis Cocker’s britischer Band Pulp hätte ich schon längst einige Zeilen widmen sollen. Werde ich nachholen müssen: His’n'Hers, This is Hardcore, Help the Aged, usw. usf. dürfen in keiner anständigen Sammlung fehlen! So herrlich sympathisch pathetisch
Pulp - Babies
19 Nov
Mit Led Zeppelin fing es an und hörte es auf. Für mich zumindest. Als ich mit 14 Jahren eine CD meines Vaters in die Anlage legte und Whole lotta love mit sattem Sound den Raum um mich herum erfüllte, begann für mich ein neuer Lebensabschnitt. Zwar fand er nie wirklich ein Ende, erschöpfte sich aber in der Qualität der Musik, sobald ich versuchte etwas Vergleichbares zu finden.
Um mich nun des Vorwurfs zu erwehren, nichts anderes zu kennengelernt zu haben, möchte ich betonen, dass ich so ziemlich alle wichtigen Namen des Genres angehört habe. Waren auch viele gute Sachen dabei, keine Frage. Aber heute, keine zehn Jahre später, sehe ich in meinem Last.fm-Profil kaum eine Größe dieser Richtung und stelle fest, dass ich mehr Franz Liszt und Beethoven höre, mein Musikstil ruhiger geworden ist und ich den Hang zu melancholisch-melodischen Künstlern entwickelt habe.
Ich bin des Rock aber keineswegs überdrüssig geworden. Die Erweiterung meiner Klanghorizonte war die treibende Kraft hinter dieser wohl normalen Entwicklung.
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Ich im Jahre 2000 mit meiner Les Paul
Meine Playlist versetzte mich heute mit einem Song zurück in diese Zeit, als ich die Nachbarn mit voll aufgedrehtem Verstärker zu malträtieren pflegte und der Bass das Hausdach abzuheben drohte. So gewinnt ein ehemals wenig beachteter Song von BRMC durch die Erinnerung an die unbeschwerte Jugend eine gänzlich neue Bedeutung. Ich lehne mich zurück und wiederhole eine Phrase in Gedanken…
I fell in love with a sweet sensation.
I gave my heart to a simple chord.
I gave my soul to a new religion.
Whatever happened to you.
Whatever happened to my Rock’n'Roll.
Black Rebel Motorcycle Club - Whatever happened (to my Rock’n'Roll)
16 Nov
Früher waren MTV und VIVA meine primären Quellen für neue Musik. Last.fm gab’s da noch nicht, ja noch nichtmal Web 2.0. Der Willkür profitorientierter Programmchefs ausgesetzt kam also öfters mal vor, dass man eine Band nach einem einzigen Videoclip aburteilte, den Namen in Gedanken mit dem Prädikat “uninteressant” versah und so abspeicherte.
So entgingen mir auch die 1991 in England formierten Tindersticks. Ausgerechnet Kurt Wagner weckte mein Interesse schließlich durch eine kurze Referenz an Stuart Staples während eines Solo-Auftrittes in Karlsruhe. Beide standen nämlich schon gemeinsam im Studio. Alleine daraus resultiert für mich die Verpflichtung, sich zumindest ein Mal aktiv mit der Band auseinanderzusetzen.
Und, wen wundert’s, die Jungs sind erste Sahne!
Dass es sich bei der Band um keine fröhlich-hippe Party-Posse handelt lässt die Zusammenarbeit mit Lambchop bereits vermuten und der ausgewählte Track ist zugegebenermaßen ein vor Leid strotzendes Beispiel, aber ich schreibe hier ja nicht für Top Of The Pops.
Charakteristisch sind die verrauchte Bariton-Stimme von Frontmann Staples sowie orchestrale Arrangements mit wechselndem Instrumental. Manchmal dick aufgetragen aber stets wohl akzentuiert. Kombiniert mit Texten, die oft sehr geradlinigen Geschichten gleichen und ehrlich und einnehmend auf mich wirken. Eine weitere Band, deren vollständige Diskografie ich nach und nach erstehen werde
Tindersticks - Dying slowly
16 Nov
Erwähnenswert an Stephin Merrit’s The Magnetic Fields finde ich neben der vielfältigen Klangwelt und dem Triple-Album “69 Love-Songs” die cleveren Texte der 1990 in New York gegründeten Band. Ausnahmsweise habe ich hier keinen Geheimtip verpennt: Ich musste wohl erst reifen, um Zugang zu den oft schweren Songs zu finden. Aber das macht ja nichts, im Gegenteil. Es freut mich, ähnlich wie das Lösen einer komplexen mathematischen Aufgabe. Und so ist der ausgewählte Song kein schluchzendes Aushängeschild meines Gemütszustandes sondern ein fröhliches Bekenntnis zur polnischen Melancholie
The Magnetic Fields - I don’t want to get over you
I don’t want to get over you.
I guess I could take a sleeping pill and sleep at will have to go through what I go through.
I guess I should take Prozac, right, and just smile all night at somebody new, Somebody not too bright but sweet and kind who would try to get you off my mind.
I could leave this agony behind which is just what I’d do if I wanted to, but I don’t want to get over you cause I don’t want to get over love.
I could listen to my therapist, pretend you don’t exist and not have to dream of what I dream of.
I could listen to all my friends and go out again and pretend it’s enough, or I could make a career of being blue.
I could dress in black and read Camus, smoke clove cigarettes and drink vermouth like I was 17 that would be a scream but
I don’t want to get over you.
27 Okt
Quelle: progressiveboink.com - (c) Universal Press Syndicate
Der Verweis auf die wahrhaftigen Giganten unter den Comicfiguren darf in einem Blog mit dem Selbstanspruch, pädagogisch bewertet nicht das Sinnloseste zu sein, freilich nicht fehlen: Calvin and Hobbes.
Progressive Boink: 25 Great Calvin and Hobbes Strips.
15 Aug
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