Das Leben mit Standardabweichung
3 Sep

“Dieses Symbol wird man sich merken müssen”
Quelle: Keine Ahnung mehr.
Man konnte diesem Thema heute ja auch nicht ausweichen: Jede große Onlineredaktion schien sich über die vergangen zwei Tage nur mit den News über den neuesten Coup von Google zu befassen:
Sueddeutsche.de: Neues Web-Werkzeug
Sueddeutsche.de: “Bequem, aber kritisch!”
Spiegel Online: Schlank, schnell, stabil.
Spiegel Online: Lob, Liebeshymnen und ein großes Loch
FAZ.net: Wird Mono-Chrome zum Monopol?
Stern.de: Chrome braust allen davon
Stern.de: Das Google-Dilemma
Golem.de (8 Seiten!): Betaversion des Browsers ist da
heise.de: Google greift Microsoft mit eigenem Browser an
heise.de: Googles Webbrowser Chrome wühlt das Web auf
Bild.de: Web-Rüsten im Browser-Krieg
Es wurde wohl so ziemlich alles bereits gesagt. Fakten, Theorien, Befürchtungen und gar erste Bugs.
Individuelle Produktnummern der Software (die eine eindeutige Identifizierung ermöglichen), personalisierte Inhalte auf Startseiten, automatisierte Suchunterstützung (die jeden Tastenanschlag an Google übermittelt), Inkognito-/”Porno”-Modus, minimalistische Bedienelemente, schnellere Javascript-Engine, OpenSource Quellcode, effizienteres Speichermanagement und erste fatale Bufferoverflows durch simple, undefinierte Handler (Für Chrome-User war der obige Link “erste Bugs” bereits ein Programmabsturz): So ist meine Bilanz des ersten Versuchstages, aber derer gleichen wird man bereits endlos lesen können. Wer noch was ergänzen mag, bitte!
Am Ende eines ausgedehnten Tages im Internet stelle ich fest: Chrome ist verdammt und verdammt dazu, gut zu sein. Das Echo könnte nicht ambivalenter und ich nicht unschlüssiger sein.
Auf der einen Seite werden technische Innovationen wie die in Dänemark entwickelte Javascript-Engine gefeiert, auf der anderen Seite kommt es durch einfachste Fehleingaben zu Totalabstürzen (Merke: es ist eine Beta-Version!). Diffuse Ängste der Usermassen bescheren Datenschutzskeptikern ein breites Publikum (was zur Zeit in Deutschland freilich nicht gänzlich unbegründet sein mag), während gleichzeitig die Faszination an personalisierten Inhalten ungebremst wächst.
Ich habe Chrome installiert und getest und verworfen. Wieder gestartet, weiter getestet und erneut beendet. Damit gehöre ich immerhin zu 2,6% der Web-Benutzer weltweit Marktanteil des Browsers. Zwölf Stunden nach Veröffentlichtung eine beachtliche Zahl.
Das Ding der Bequemlichkeit: Ich behaupte jetzt einfach mal, dass dieser Trend anhält. Diese Vermutung fußt auf über 10 Jahren Computererfahrung und der eingebildeten Kenntnis darüber, dass der druchschnittliche User/die Masse sich von schlichter Anwenderfreundlichkeit überzeugen lässt. Google mit seiner Fülle an kostenlosen Angeboten, hat in meinen Augen jedenfalls das größte Potential, diese Ansprüche zu befriedigen.
Ich musste jedenfalls erst kürzlich hunderte Euro in teure Markensoftware investieren. Alles aufgrund von Standards in Wirtschaft und Forschung. Eines stand danach für mich fest:
Ich gebe gerne die paar Daten über mich frei, wenn Standards in Zukunft kostenlos sind. Die Synergie aus Google und OpenSource könnte sich als wegweisend bewahrheiten; ebenso gut könnte sie grandios scheitern. Ich bin gespannt.
7 Antworten für "Google Chrome: Verdammt (und) gut"
nudy
Ich sehe das nicht so. Vielmehr ist für mich Chrome ein weiteres Instrument Google’s um wirklich komplette Daten des Nutzers zu sammeln. Nicht nur Suchmaschineneingaben, sondern komplettes Surf- und Nutzungsverhalten. Klar, durch ihre imensen Datenspeicher, konnten sie genau das entwickeln was Otto Normalsurfer so braucht, sie konnten mit Hilfe ihre Programmiererarmee (die selbst die Einwohnerzahl mancher Länder überschreitet) einen schnellen, und ich muss zugeben, gut durchdachten Brauser entwickeln.
Aber, ja natürlich kommt jetzt das große, für mich übergroße, aber, ich halte es für einen Fehler (aus Sicht von Google) Chrome als Open Source zu veröffentlichen (Wobei wirklich Open Source ist Chrome ja auch nicht, bedenkt man nur das Apple, und die kann man ja mittlerweile auf eine Ebene mit Microsoft stellen was Offenheit angeht, da mit ihrem Webkit drin steckt.). Die Googler hoffen wohl, dass die User beim Datamining mithelfen, indem sie den Brauser verbessern und optimieren.
Eher das Gegenteil wird meines Erachtens der Fall sein. Mozilla wird freudig danken, den Code benutzen und in den Fuchs 4.0 mit einbauen. Ohne Googles Datenkrake, ohne nach-Hause-telefonieren, dafür mit Erweiterbarkeit und wirklicher Open Source Lizenz veröffentlichen.
Außerdem kann ich mir noch nicht erklären, warum Google über 60 Mio in Mozilla investiert (durch die Verlängerung des Vertrages für die Exklusivität der Suchbox), und dann einen eigenen Konkurrenten an den Start bringt. Für mich macht das keinen Sinn.
Die einzige Erklärung die ich habe ich, dass sich die Googler sagen »Hey bevor wir unser Geld benutzen um die Gebäude zu beheizen stecken wir sie halt einem Konkurrenten in den Arsch. Vielleicht bekommen wir dann noch ein wenig Mitspracherecht«
Was Firefox angeht: Die gesamte Mozilla Foundation wird großteils von Google finanziert, das nicht ohne Grund. Und nicht ohne Grund bringt Google plötzlich einen eigenen Browser auf den Markt. In meinen Augen nur eine Frage der Zeit und konsequente Folgerung der Expandierungsphilosophie von Google.
Mich schreckt das aber nicht besonders, um ehrlich zu sein. Linux, MacOSX und Windows sind heute mittlerweile alle an Online-Dienste gebunden. Selbst seriöse Online-Angebote nutzen Tracking-Cookies.
In dem Wust an Datensammlern frage ich mich, welcher Konzern schimmer ist?
Google-Chrome ist sehr schnell, aber es gibt keine addons…. Firefox ist “the best”.
“Google Chrome: Eindeutige Nummer des Browsers abschalten” - http://www.golem.de/0809/62216.html
@Saint Germain: Das kann schon in einem Monat ganz anders aussehen
Wahrscheinlich werden am Ende sogar die FF-Plugins mit Chrome laufen ^^
Jap, irgendwo habe ich zumindest gelesen, dass sie an der Entwicklung eine API arbeiten.
Nur eine Frage der Zeit. Die gestrigen Reaktionen aus der Googlezentrale deuten für mich auf einen sehr benutzerorientierten Kurs hin: Schon nach dem ersten Aufschrei wurden die Urheberrechteabtretungen sinnvoll gekürzt.
Aus
wurde
Die Gründe dafür sind hier nachzulesen: http://www.golem.de/0809/62201.html
@pasQualle: Du schriebst
Ich glaube, dass das umgekehrt bereits jetzt schon der Fall ist: Die User helfen den Browser zu verbessern, indem sie freiwillig Informtionen preisgeben. Wenn man bedenkt, dass es dabei primär um Fehlerberichte á la Microsoft, Adobe, Apple oder Mozilla geht also nichts Neues.
Die Firefox-Entwickler werden mit Sicherheit das eine oder andere Schmankerl abbekommen - vermutlich haben sie ja auch das größte Know-How in das Chrome-Projekt mitgebracht - Google wird schon tunlichst drauf achten eben den miefigen Ruf des fiesen Monopolisten zu vermeiden, mit dem Microsoft sich die letzten Jahre über plagen musste.
Google Chrome wird sich etablieren (wenn wir nicht schon dazu beigetragen haben, dass er es schon hat). Langfristig mag er andere Browser überholen oder nicht, schon mittelfristig wir aber Google ein Werkzeug besitzen, dass ihnen effizienteres Data-Mining erlaubt, welches am Ende doch wieder uns zu Gute kommt.
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