Das Leben mit Standardabweichung
8 Jul
Wenn mir die Großstadt oder die Arbeit mal wieder zu hektisch werden gehe ich gerne in die Natur. Wenn das Wetter schlecht ist koche ich. Da habe ich in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, experimentierfreudig Rezepte ausprobiert, von erfahrenen Komillitonen gelernt und schließlich ein Hobby daraus entwickelt. Ich hatte zwar nie vor einen Kochblog zu betreiben, aber ich habe mich auf eine Informationslücke besonnen: Rezepte für traditionelle polnische Hausmannskost sind im deutschsprachigen Netz sehr rar und so habe ich mich dazu entschlossen, ein paar Spezialitäten der schlesischen Küche vorzustellen. Ich koche diese Gerichte ab und an. Zum einen, weil sie mich an Ferien bei Oma erinnern, zum anderen, weil sie einfach gut schmecken
Rezept Nr. 1: Żurek
Żurek (sprich: Schurek - mit rollendem R) ist ein besonders in Schlesien bekannter, deftiger Eintopf mit Wurst und Kartoffeln auf Basis eines sauren Roggenmehlansatzes. Die Vorbereitungszeit kann bis zu fünf Tage betragen, die Zubereitung dauert circa 45min und ergibt genug für eine Großfamilie.
Teil 1: Vorbereitung der Basis
Zutaten:
100g grobes Roggenmehl mit Schrot
3 Zehen Knoblauch
1 Lorbeerblatt
Roggenschrot in eine leere Flasche geben; 500ml Wasser kochen, wenn lauwarm: Roggenmehl in der Flasche aufgießen. Lorbeerblatt und Knoblauchzehen, geschält aber ganz, dazugeben. Abdecken, aber nicht fest verschließen.
4-5 Tage zum Gären an einen warmen, dunklen Ort abstellen, versauern lassen. Das Ergebnis sollte eine gelblich-klare Flüssigkeit sein, die streng sauer riecht. An der Oberfläche darf kein Pilz entstehen.
Teil 2: Zubereitung des Eintopfes
Zutaten:
2 Töpfe und ca. 45min Zeit.
1 Sack Kartoffeln (1,5kg)
1 Zwiebel
2 Zehen Knoblauch
1l Milch
Fleisch (reichlich Bauchspeck, Knoblauchwurst und Frankfurter Würstchen)
3 Brühwürfel
Wir schälen die Kartoffeln und Würfeln sie mundgerecht. Ab in einen Topf mit kaltem Wasser, das sie nur wenig bedeckt. 3 Brühwürfel dazugeben. Nächster Schritt ist das Würfeln des Fleisches. Dieses geben wir mit ein wenig Öl in einen großen (circa 5l!) Topf und legen los:
Beide Töpfe sollten jetzt parallel erhitzt werden: die Kartoffeln dürfen nicht durchgekocht sein, sie sollen nachher im Fleischtopf weiterkochen. Das Fleisch braten wir zunächst leicht an, dann löschen wir mit einer großen Tasse Wasser ab. Nun schütten wir den sauren Ansatz in den Fleischtopf dazu - mit oder ohne Mehl (ich mache es immer mit, um ein Anbrennen zu verhindern muss dann oft umgerührt werden), sieden das ganze auf und lassen es dann circa 10min. köcheln.
Dann kommt alles zusammen: Die Kartoffeln samt Brühe beherzt in den großen Topf schütten. Jetzt noch den Liter Milch dazu (Da Milch die Säure bindet, gerinnt sie vorerst: des g’hört so und löst sich wieder, sobald die Supp’ kocht). Die Zwiebel (grob in 4 Teile geschnitten) und den Knoblauch (die ganzen Zehen, zerdrückt) dazugeben. Wieder aufkochen lassen - etwas eindicken vielleicht. Mit viel Salz und viel Pfeffer abschmecken - fertig.
“Smacznego” ![]()
6 Antworten für "errorb.oil: Sauerroggen Bauerneintopf “Żurek”"
Tak tak tak, gerne.. aber soll ich jetzt die ganze Problematik kopieren
?
Hehe, ne - der Sinn wird sich auch dem Unbeteiligten aus folgendem ergeben:
Im Reformhaus wird es das grobschrötige Roggenmehl (Index 1800) mit Sicherheit geben, aber auch ein großer supermarkt sollte es im Sortiment haben: Scheck-Inn oder InterSpar sind ja gerade in Großstädten gut sortiert. Zur Not die gute Oma von nebenan fragen - die wird’s wissen, wenn nicht haben
Freut mich übrigens, dass sich gleich ein Schlemmgieriger für die Idee begeistern konnte!
Ich gestehe, ich hab’ mich ziemlich verschätzt. Beim heutigen Versuch, grobschrotiges Roggenmehl zu bekommen, bin ich durch 4 Geschäfte gestolpert, bis ich im Reformhaus fündig wurde: Dort habe ich 1kg Roggen für 1,89EUR bekommen - er wurde vor Ort frisch geschrotet

Ich kann Dir gerne die Hälfte davon schicken, dann brauchsu nicht durch halb FFM zu fahren
ach, die drei Euro investiere ich gern. Das Rezept ist immerhin recht aufwendig und vor allem weisst Du ja garnicht, was Dich geschmacklich erwartet. Könnte ja sein, dass Dir das garnicht schmeckt! Ich jedenfalls bin gerne bereit, das Porto als kulturelle Entwicklungshilfe zu verbuchen
..dann solltest du aber auch wissen, dass kulturelle Entwicklungshilfe bei mir nicht nötig ist - da ich nicht nur kulturell hochentwickelt sondern auch offen für alles neue bin was mir welche Kultur auch immer zu bieten hat
Und mal abgesehen davon, dass es sowieso quasi nichts gibt, dass mir nicht schmeckt: bis dato war meine Cuisine zwar immer äußerst experimentell, und wenn überhaupt, dann eher südländisch-asiatisch-karibisch inspiriert; doch eigentlich bin ich auch ein ausgesprochener Freund deftiger Hausmannskost, und das Zurek klingt schon von der Zutatenliste ganz nach meinem Geschmack.
Also investieren wir die 3oyro lieber in gemeinsame kulturelle Aktivitäten. Ich versuch mich schon an dem Rezept, versprochen
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