Mit der Schweiz ist gestern einer der beiden EM-Gastgeber gegen die Türkei ausgeschieden. Nach der 1:0 Führung in der ersten Halbzeit und einem starken Spiel der Schweizer gelang der Türkei gegen Ende des Spiels nicht nur der Ausgleich sondern auch der 1:2 Führungstreffer. Tragisch - ich hätte den Gastgebern Erfolg gewünscht.

Damit komme ich in ein Dilemma: Jetzt MUSS ich ja quasi aus Mitleid für Österreich sein und für die Rot-Weiss-Roten Daumendrücken, dass sie nicht auch das gleiche Schicksal ereilt, denn: Mit jeder Niederlage im Vorfeld der EM stieg in Österreich die Hoffnung auf den EM-Sieg. Das zu beobachten war faszinierend, denn es grenzt an Verdrängung der Rationalität. So lautet der Schlachtruf im Stadion “Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich” - dabei ist die einzige Konstante der Alpennation die schwache internationale Leistung: immer wieder haben sie verloren.
Bewusst sind sich die Ösis zwar allemal, aber keiner, auch ich nicht, will den Teufel die Wand malen. Vielleicht gelingt ihnen ja ein zweites Cordoba und hoffentlich geht’s auch dann noch weiter, denn, jetzt kommt’s:
Beim Public-Viewing haben die Austria-Fans sowohl die kroatische, als auch die deutsche Nationalhymne ausgebuht - das hat man von keiner anderenGruppe erlebt. In der Stadt pöbeln Gruppen von Jugendlichen jeden Schwarz-Rot-Gold-tragenden an (”Ohne Deutschland, fahren wir nach Wien”) und in der Fanmeile habe ich mir “Geh, schleicht’s eich, ihr Saupreissn” schon mehrmals anhören dürfen.
Ein Ausscheiden der Österreicher wäre womöglich fatal für die Stimmung im Austragungsland. Nicht, dass die ganze Nation plötzlich ein schlechter Gastgeber wäre, aber können sie auch gute Verlierer sein?