Das Leben mit Standardabweichung
23 Jan
Zugegeben: Für einen Moment war ich versucht zu suggerieren, es gelte als schamhafte Bildungslücke, Mamuro Oshii nicht zu kennen. Obwohl ghost in the shell zu den erfolgreichsten Anime-Filmen der Moderne zählt und eine deutsche Synchronisation regelmäßig über die heimischen Mattscheiben flimmert, wird japanisches Kino in Deutschland noch eher verhalten wahrgenommen. Kein Wunder also, dass Avalon so gut wie unbekannt ist.
Klarer Fall von “Des g’hört g’ändert”: Dieses Science-Fiction Meisterwerk muss ich wärmstens empfehlen!
Assoziationen mit dem Genre-Platzhirsch The Matrix sind wohl nicht zu vermeiden und mögen fälschlicherweise den Eindruck eines Abklatsches vermitteln. Daraus sollte man aber keine Rückschlüsse auf die Qualität ziehen: Avalon behandelt zwar thematisch ebenso virtuelle Welten und die Frage nach ihrer Realität, erzählt aber eine ausgereifte, eigene Geschichte.
Es geht um Computerspiele. Mamoru Oshii zeichnet bereits 2001 eine düstere Vision, deren Thematik in den letzten Jahren zunehmends an Bedeutung gewonnen hat: Die Unterhaltungselektronik der Zukunft ist so weit entwickelt, dass für den Spieler eine virtuelle Realität ensteht - er befindet sich in einer computergenerierten Welt. Professionelle Spieler kämpfen in dieser um Punkte, Ansehen und schließlich bares Geld.
Eines dieser Spiele ist jedoch verboten: eine Kriegssimulation, deren illegaler Charakter eine eigene Subkultur geschaffen hat. Dabei ist nicht nur der Suchtfaktor dieses Spieles eine Gefahr. Neben verwahrlosten Existenzen häufen sich Berichte von elitären Spielern, die während der Simulation in ein tiefes Koma gefallen sind.
Für Ash, eine junge, erfolgreiche “Class A”-Kriegerin, verdichten sich die Hinweise auf einen Komplott, der hinter dem Verscheiden ihrer Mitstreiter steht. Sie beginnt die Suche und stößt dabei auf den Bishop, der sie in der virtuellen Welt zu beobachten scheint. Ein Action-Spektakel mit Tiefgang nimmt seinen Lauf.
Avalon hat dabei so seine Besonderheiten: der Film wurde vollständig in Polen abgedreht, ist in polnischer Sprache und mit polnischer Besetzung. Auch die Schauplätze tragen zu einer starken europäischen Note dieses Filmes bei. Alles andere als ein Hollywood-Streifen, aber auch nicht typisch japanisch. Erfrischend europäisch, eben.
Für mich als Landsmann lebt in Avalon das großartige alte, polnische Kino auf.
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