Das Leben mit Standardabweichung
1 Okt
Ich erinnere mich ziemlich gut an das Ereignis: ich bin circa sechs Jahre alt und habe gerade einen Milchzahn verloren, als Muttern mir die Olympus-Kamera mit Vierundzwanziger-Kodak-Film vor die Goschn hält um ein Bild lückenhaften Lächelns für Oma zu schießen.
Nun, entweder ist das nur für Parentalgenerationen ulkig oder ich musste Selbstironie in 15 Jahren hart erlernen, weil ich nicht mit dem Segen geboren wurde schon mit 3 wie das Kind in der Fernsehwerbung in Linsen zu grinsen. Familienalben, jedenfalls, zeugen davon, dass ich in der Kindheit eine wahrliche Kackbratze war. Zumindest was Fotos angeht * hüstel *
Da kann ich nur von Glück reden, nicht im digitalen Zeitalter geboren zu sein: Heute hätte ich im zarten Alter von sechs wahrscheinlich schon längst ein Profil auf myspace, im KindergartenVZ und natürlich in meinem Blog - grafische Selbstdarstellung, freilich, mit eingeschlossen.
Dabei will ich garnicht wissen, wie das in dem Alter mit der Absicht so ausgesehen hätte. Oder doch?
Retrospektiv, mit einer gewissen Prise Selbstironie betrachtet also, wäre es wohl ganz lustig gewesen.
Frage mich nur, wie man auf solche Jugendfotos in Zukunft blicken wird. Besonders interessiert es mich, wie wohl folgender User in zwanzig Jahren über sein Selbstportrait denken wird….

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