Mit achtzehn bin ich mal für fiel Schotter nach Frankfurt auf ein Oasis-Konzert gefahren. Mit Daniel jeweils 60 Eier für Anreise und Karten gelöhnt, Kamera abgenommen bekommen und 45 Minuten lang vier besoffene Briten auf der Bühne erlebt, die das Konzert schießlich wortlos abbrachen. Nicht dass mich das desillusioniert hätte, ich fühlte mich einfach nur behumst. Zuerst pfiffen wir sie im Chor ab, dann buhten wir im Kanon der Enttäuschung. Danach fuhren wir nach Hause und suchten uns neue Lieblingsbands.

Holly Golightly and Band - Autogramme

Vor kurzem dann erlebte ich Kurt Wagner. Beim signieren meiner LP dankte er mir für’s Kommen, bot mir eine Zigarette an und fragte, wie mir das Konzert gefallen hatte. Neben netten Fotos und herzlichem Smalltalkt mit der Band nahm ich vor allem eines mit: Das beruhigende Wissen, dass es in der grauen Masse von Musikern noch einige ehrliche Künstler gibt.

Ich definiere diese hauptsächlich durch eines: sich selbst und seinen Leidenschaften treu zu bleiben - trotz der Möglichkeit, durch den Verkauf seiner Kunst im Rahmen einer “Mainstreamalisierung” schnelles Geld zu machen. Bescheidenheit - in gewissem Sinne.

The Divine Comedy, Lambchop oder die Super Furry Animals sind somit nicht nur Bands, die ich gern höre: Sie verkörpern Ideale, die ich bewunderns- und anstrebenswert finde. Eine Künstlerin verdient in genau diesem Punkt ganz besonderen Respekt: Mrs. Holly Golightly Smith.
Die heute gefundene arte - Reportage über die Dame, welcher ich bereits einen Artikel gewidmet habe, ist der Anlass für den dem Youtube - Clip folgenden Lobesgesang.

Am 2. April 2006 hatte ich das Glück, sie live im “schocken” - Stuttgart zu sehen, ein Ereignis allererster Ohrensahne: Tom Heinl als an dieser Stelle empfohlener Anheizer gefolgt von Holly Golightly’s Auftritt für Liebhaber authentischer Musik. Aber was pasQualle und ich noch erleben sollten, stellt jeden MTV-Backstage-Pass in den Schatten!
Werde ich nie vergessen, wie wir nach 2 Autogrammen fragten und auf Hollies Einladung hin für 2 Stunden mit der versammelten Crew die Vorzüge deutschen Caterings eruierten und jede Menge persönliche Fragen stellen durften. So erfuhren wir aus erster Hand, dass die Eltern begeisterte Fans von “Breakfast at Tiffany’s” waren - daher der Name. Zudem diskuttierten wir über den im Netz weit verbreiteten Irrglauben Holly sei gebürtige Amerikanerin, bekamen exklusiv Anekdoten über die White Stripes erzählt und priesen im Gegenzug das herrliche Tannenzäpfle an. Wir bekamen nicht nur Autogramme aller Anwesenden, wir durften sogar Bar und Buffet plündern. Das wichtigste aber war: Zum Abschied sagten sie “You’re welcome” - und so fühlten wir uns wahrhaftig.

In diesem Sinne: Wenn euch das Video Appetit auf die Musik macht oder ihr bereits einige Tracks von Holly aus dem Netz geladen habt - geht in den nächstbesten Laden und kauft euch eine Platte, sie wird euch lange begleiten.


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  • http://www.errorblog.com/2005/07/14/25/