Eigentlich hat der Herr Arno Frank ja vieles gut auf den Punkt gebracht:

http://www.taz.de/pt/2007/01/22/a0163.1/text

Ist schon richtig, dass es mit dem Begriff nicht so einfach ist. Was es da nicht so alles gibt, das im Volksmund mit dem Prädikat "Indie" versehen wird. Ob nun der Spiegel oder die taz - über die Verkaufszahlen diverser in diese Kategorie gesteckter Alben und Künstler und Stereotypen weiss so ziemlich jeder was zu sagen.

Mir erscheint aber gerade der oben verlinkte Gedankengang ein wenig abwegig: suggeriert er nicht gewissermaßen einen fixen Zusammenhang zwischen "Indie" im Sinne der Unabhängigkeit und der Welt des Kommerzes? Sollen Oasis und The Shins als Philosophen eines Gesellschaftstrends herhalten, wenn sie Ihre Theorie als Antwort auf eine im finaziellen Kontext gestellte Frage formulieren? Als Hörer genannter Bands fühle ich mich nämlich angesprochen, in eine Schublade gesteckt und mit Klischees behaftet: wie bitte soll ich mich also damit identifizieren?
Der grobe Unterschied in der Sichtweise liegt für mich in der umgekehrten Perspektive: Es sind nicht die hippen Bands, die den Begriff "Indie" definieren, weil wir ihre Alben in die entsprechenden Regale im Fachhandel einsortiert wissen.

Wir normalen Leute definieren "Indie" durch ein Lebensgefühl welches jedem seinen individuellen Antrieb verleiht. Wir normalen Leute, die auch iPods besitzen und Markenschuhe tragen, bei BurgerKing essen und vielleicht auch Britney Spears mögen. Wir normalen Leute, für die Verkaufszahlen und Millionengewinne nichts über die Qualität aussagen.

Ich persönlich habe eine sehr simple Antwort auf die Frage nach der Definition des Begriffes. Genauergesagt ist sie Dekaden alt und von Timothy Leary:

"Question Authority, Think For Yourself!"
(dt. "Hinterfrage Autoritäten, denke eigenständig!")

Damit fühle ich mich besser, da es mich vom Verdacht befreit ich wäre als Indie-Hörer ergebener Sklave eines Trends, einer Mode. Dem Ansatz nach kämen wir auch zu dem Umkehrschluss, liebe Medien, dass "Indie", korrekt abgeleitet von "Independent", weniger durch Major Labels denn durch uns Konsumenten definiert wird und eigentlich Anerkennung künstlerischer Leistung bedeutet.

Schade also, dass auch die taz den Begriff auf die ökonomische Ebene reduziert.
Zum Glück muss ich das nicht so sehen.