Charlotte de RocheNeues von Charlotte
Für mich ist Fernsehen wie Politik: Während man glaubt, die eigene Stimme der richtigen Partei gegeben zu haben, wird man im Regelfall gleich nach der Wahl von der harten Tatsache enttäuscht, dass das Gewäsch das gleiche bleibt. Unausweichlich.
Beim Fernsehen kann man zwar jederzeit frei sein Programm wählen. Analog zur Politik wird aber überall der gleiche Schrott geblubbert.
Gottseidank haben beide Systeme Ausnahmen in diesen Regeln. Was für mich Herr Fischer im Bundestag war lässt sich auf Charlotte de Roche von Viva Zwei übertragen: Beide einzig authentisch, in krisenreichen Zeiten der Neuorientierung abgesägt.

Unglaublich, beinahe unfassbar und doch absehbar: Vor einem Jahr war die Sendung “Fast Forward” vom Jamba-Konglomerat MTV / Viva Germany abgesetzt worden. Die Sendung, welche unter programmatorischer Leitung von Charlotte de Roche Nachwuchskünstlern und unbekannten etablierten Größen aus fernen Ländern ein zu Hause gab, war nie finanzträchtig.
Dem Hörensagen nach verließ Charlotte den Sender unter Streik, nachdem man versucht hatte ihr ein anderes “sexy Format” ohne jegliche Selbstbestimmung zu bieten. Mit dieser Konsequenz und Unkäuflichkeit wurde Charlotte für uns Unsterblich. Wie die Liebe zu Ihren Musikempfehlungen (Ich danke Dir bis heute für “Belle & Sebastian”) konnte kein Kommerz die Liebe zu ihrer einzigartigen Authentizität ersetzen.

Heute ist es soweit! Wie ich soeben im redlichen Spiegel vernahm hat die feine Dame der Nation ein neues Format. Und zwar auf dem Sender Arte! Erwarten können wir eine Sendung journalistischer Natur: Weniger Videoclips, mehr Charlotte: “Tracks” - Ab 5. Januar auf Arte.

Arte ist weitsichtig, Arte ist klug.

Das wird nicht jeder verstehen. Ich aber brauche dringend wieder einen Fernseher!

  • Quelle: Spiegel-Interview