Der Typ neben mir nickt mit dem Kopf zum Beat. Die Augen geschlossen wirkt er hochkonzentriert.
Während der EuroCity durch die Nacht gleitet, verfluche ich meinen Leichtsinn, keine Unterhaltungselektronik mit auf den Weg genommen zu haben.

Doch “wer braucht schon einen iPod, wenn er wachsame Ohren hat” denke ich mir und sperre die Lauscher weit auf, um dem Rhythmus dieser Welt zu lauschen. Der Zug beschleunigt aus einem Bahnhof heraus:
Ba don ka dong - Ba don ka dong - Badon kadong - Badon kadong - Badonkadong Badonkadong Badonkadong!

Ich habe mich schon immer gefragt, wie Bob Kane und Bill Finger in den legendären Batman-Comics Schriftlaute wie “Kawoom” und “Swoosh” zusammengereimt haben. Eigentlich ist mir das egal, aber es ist ein guter Vorwand, um die in der Kindheit wurzelnde Begeisterung für diese Lautmalerei einzuleiten.
So kommt es, dass Typen wie ich jede Alltagshandlung mit dem Nachsprechen solcher Worte zelebrieren. Zur Belustigung, manchmal auch zum Leidweisen der Umgebung. Oder finden Sie es erotisch, wenn der Partner “Flutsch!” flüstert…?

Nicht genug der Metaphysik - heute fragte ich mich, wie authentisch gefaselte Schriftlaute wohl klingen können: Macht die Bierflasche wirklich “Fumpp”, Gläser wirklich “Zing”? Ob ein Technobeat wirklich mit “WU TS K TSS; TS K; WU TS K TSS!” treffend beschrieben werden kann, mag für viele dahingestellt sein - für uns ist es ein schlichtes Faktum. Doch mit solch komplexen Töns beschäftigen wir uns an dieser Stelle nicht. Bevor wir die Scheidung der Geister gestatten, wollen wir diese Frage wissenschaftlich untersuchen. Es sind die Klänge des Alltags, die unseres Rätsels Lösung sind.

Versuchsaufbau:
Ausgestattet mit einem handelsüblichen Tischmikrofon der Marke hama machen wir uns auf die Jagd: Wir zeichnen diverse Klänge digital auf. Danach versuchen wir diese nachzusprechen und vergleichen anschließend das Ergebnis grafisch per “Nullsoft Voiceprint Plugin”, kostenlos mit Winamp 2.90 erhältlich.

Versuch Nr. 1: Klingende Gläser
Man nehme ein standardisiertes Weinglas und schlage es mit einem metallischen Gegenstand an.

Sound: ZIINNNNG

ziinnnnnng!
Links: Das klingende Weinglas; rechts: Martin.

Versuch Nr. 2: Feder-Gabel
Wir lassen eine hart eingespannte Gabel federn.

Sound: BÄÄÄOOUUUU

baeou
Links: Die federnde Gabel; rechts: Martin.

Versuch Nr. 3: Bierdeckelentfernung
Mit dem Feuerzeug öffnen wir eine Bierflasche im Maurer-Stil.

Sound: FUMMPP!

fumpp
Links: Bierflaschenöffnung; rechts: Martin.

Versuch Nr. 4: Messer
Ein langes Messer wird hart eingespannt und gefedert.

Sound: PSSTTRRRRR

pstrr
Links: Messer; rechts: Martin.

Fazit:
Eigentlich keins - aber wir haben einen wundervoll sonnigen Nachmittag mit Unsinn verschwendet und fühlen uns trotzdem gut dabei, denn: Wir lieben Schriftlaute!